Integration: »Flüchtlingsmannschaften machen mich skeptisch«

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Hartplatzhelden-Kolumne #7: Sonderprojekte mit Geflüchteten mögen gut gemeint sein. Integration gelingt aber besser und schneller in einem traditionellen Verein.

Quelle: fupa.net - Autor: Michael Franke

In der Hartplatzhelden-Kolumne kommen kreative und kritische Köpfe aus dem Amateurfußball zu Wort, die sich mit den Sorgen und Nöten unseres geliebten Sports befassen, aber auch Ideen für die Zukunft vorstellen. In der 7. Ausgabe erläutert Michael Franke, erster Vorsitzender der FT München-Gern, wie Integration durch Sportvereine wirklich gelingen kann.

Ein Beispiel aus meiner Erfahrung als U17-Trainer, das zeigt, welche Integrationskraft der Fußball hat: Eines Tages stand ein stark traumatisierter junger Mann aus Afghanistan vor mir, der gerade in einem nahe gelegenen Waisenhaus unter gekommen war. Technisch talentiert, aber spieltaktisch ohne Hintergrund. Er wurde Teil des Teams und blühte auf, wenn er auf dem Platz stand. Nach zwei Jahren wechselte er den Verein. Zufälligerweise traf ich den nun schon jungen Erwachsenen kürzlich am Fußballplatz. Er steht kurz vor dem Abschluss einer Ausbildung zum Bäcker. Außerdem bildet er als ehrenamtlicher Snowboardlehrer wiederum junge Flüchtlinge am Snowboard aus. Was für eine Geschichte.

Der Fußball hat ihm auf seinem Weg geholfen. Auf und neben den Spielfeldern der Republik finden Menschen zusammen. Unabhängig von sozialer Schicht, Herkunft, Sprache oder Religion. Fußball integriert.

Dennoch werde ich skeptisch, wenn ich von einem neuen Phänomen höre: den Flüchtlingsprojekten, deren Mannschaften ausschließlich aus Geflüchteten bestehen. Natürlich bekommen die jungen Männer dadurch einen Anker in ihrem Leben, der ihnen etwas Halt gibt. Andererseits handelt es sich auch um eine Abschottung, die eine größere Chance vergibt. Das Erlernen der Sprache, den Kontakt zu Einheimischen und das Schließen von entsprechenden Freundschaften, das Einleben in Vereinsstrukturen – all dies ist in reinen Flüchtlingsprojekten schwer umzusetzen.

Flüchtlingsmannschaften erinnern mich an die Spiele in den Achtzigern gegen monoethnische Vereine aus der Türkei oder Griechenland. Daran denke ich ungern zurück, denn das waren oft keine Spiele, die der Integration dienten. Das war Klassenkampf und nationalistisch geprägter Sport, nicht selten von Polizeieinsätzen begleitet. Freilich, wir haben denselben Sport ausgeübt, in derselben Liga, aber als Spieler habe ich solche Duelle immer gefürchtet, weil Fußball nicht im Mittelpunkt stand. Insofern bedeuten monoethnische Vereine keine vollständige Integration, sondern nur eine halbe.

Das ist lange her. Mittlerweile sind aus den damaligen Problemvereinen anerkannte Klubs geworden, die in der Regel so multi-ethnisch geprägt sind, wie alle anderen Vereine auch. Auch wenn es nach dem Balkankrieg noch einmal zu einer kleinen Renaissance kam. Heute sind das im Normalfall problemfreie Spiele, auch weil es die Mischung macht. Beim neuen Drittligisten Türkgücü München zum Beispiel sind die meisten Spieler und Funktionäre gar nicht mehr türkisch, viele sind deutsch.

Sonderprojekte mögen gut gemeint sein. Doch ich sehe wesentlich größere und schnellere Chancen für Geflüchtete, wenn wenn sie sich bereits bestehenden, traditionellen Vereinen anschließen. Dort können sie all die Vorteile genießen, die ein Vereinsleben bietet, nicht zuletzt soziale Kontakte weit über den Fußballplatz hinaus. Die Vereine wiederum müssen sie unabhängig von Herkunft und Migrationsgeschichte mit offenen Armen empfangen, auch mal auf sie zugehen. Dann, in der Normalität des täglichen Vereinslebens, kann der Fußball seine volle Integrationskraft entfalten.

Zum Autor:
Michael Franke ist seit 2003 erster Vorsitzender der FT München-Gern, dem Heimatverein von Philipp Lahm. Aktiver Spieler war er von 1974 bis 2007, Jugendtrainer von 2003 bis 2017, zwischenzeitlich Schriftführer. Im Jahr 2018 hat er die Interessengemeinschaft Sport in München mitgegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Breitensport zu fördern.

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